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Erinnerungen (Werner Kimmerling) 1947
Kiel, den 25.1.1947......... Ich hielt Ihren Gatten bisher für vermisst, wahrscheinlich gefallen, im Gefecht bei Berlinchen am 2.5.1945, oder verwundet in russ. Gefangenschaft geraten, nachdem von denjenigen Bataillonsangehörigen, die in engl. Oder amerik. Gefangenschaft geraten waren und später hier in Kiel vorbeikame
Zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2026
Erinnerungen (Werner Kimmerling) 1947
Kiel, den 25.1.1947......... Ich hielt Ihren Gatten bisher für vermisst, wahrscheinlich gefallen, im Gefecht bei Berlinchen am 2.5.1945, oder verwundet in russ. Gefangenschaft geraten, nachdem von denjenigen Bataillonsangehörigen, die in engl. Oder amerik. Gefangenschaft geraten waren und später hier in Kiel vorbeikamen, keine weitere Nachricht über sein Schicksal zu erhalten war. Sie selbst haben nun diesem Zweifel ein Ende gesetzt. Ich habe Ihren Gatten wenige Minuten vor diesem Gefecht noch gesehen und gesprochen, und er ist in allen diesen Tagen mit mir zusammen gewesen. Gern komme ich Ihrer Bitte nach, Ihnen Einzelheiten dieser Tage zu schildern. Ich möchte vorausschicken, daß man an die Ereignisse dieser Tage nicht den Maßstab gewohnter militärischer Verhältnisse eines Einsatzes in organisatorischen Bahnen legen darf. Um die besondere Atmosphäre dieser unglücklichen Tage und den Ablauf der sich überstürzenden Ereignisse verstehen zu können, muß man sich vergegenwärtigen, daß die Mar. Batl. hineingeworfen wurden in die in voller Auflösung befindliche Front in Mecklenburg. Völlig unzureichend bewaffnet und ausgerüstet, ohne entsprechende Ausbildung und Erfahrung im Landkampf – um durch ihre Selbstaufopferung eine allmähliche Zurücknahme der Front zu erreichen und es 100 000 von Flüchtlingen zu ermöglichen, sich noch in den Bereich der Westmächte zu retten. Wir alle wussten, daß militärisch gesehen, es keine Chance für uns gab, daß der Krieg verloren war, und das unser Opfer wahrscheinlich letzten Endes von zweifelhaften militärischem un politischen Wert war. Demgegenüber galt für uns, besonders für die Offiziere die Pflicht, dem gegebenen militärischen Befehl Gehorsam zu leisten. Den Männern ein Beispiel zu geben und uns gegen alle äußeren Eindrücke und inneren Anfechtungen zu wappnen. Das Batl., dem Leutnant Ulmer als Zugführer in der 3. Komp. Angehörte und dessen Kommandant ich war, kam zum Teil schon zersprengt infolge sehr großer Schwierigkeiten auf den verstopften und unter Fliegerbeschuss liegenden Straßen, am 29.4 in Fürstenberg/Mecklenburg an. Die zur Verteidigung angesetzten Verbände mussten am 30.4., etwa 20 km nach Westen ausweichen, nachdem der Russe im Süden und Norden schon durchgebrochen war. In der neuen Stellung, bei St. Lag das Batl. Dann am 30.4. in Stellung, am Nachmittag unter Artilleriebeschuss.
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